Da trennt sich die Spreu vom Weizen

“In Mitteleuropa kann man feststellen, dass Hotels, die Individualität über Architektur transportieren können, in der Auslastung um durchschnittlich 10 bis 15 Prozent besser sind als konventionelle Produkte.“
Ein starkes Statement und ideale Grundlage für ein Interview über Tourismusarchitektur und die Vorreiterbeispiele der CUBE Hotels. Rudolf Tucek, langjährig erfahrener Tourismusexperte und Vorstandsvorsitzender der Vienna International Hotelmanagement AG, im Gespräch mit Platou.

Die 1989 gegründete Vienna International Hotelmanagement AG betreibt und entwickelt derzeit 41 Objekte (10 davon in Österreich) in 10 europäischen Ländern auf Basis von Managementverträgen und beschäftigt rund 2.400 Mitarbeiter. Neben zahlreichen Awards, die für einzelne Hotels entgegen genommen wurden, wurde Rudolf Tucek, geschäftsführender Gesellschafter der VI, bereits mehrmals zum „Touristiker des Jahres“ und „Hotelier des Jahres“ ausgezeichnet. Die aktuellste Ehrung erfolgte mit dem Österreichischen Exportpreis 2009, mit der das Engagement und der Erfolg der Hotelgruppe im Ausland gewürdigt werden.
Die obligatorische platoumarket-Frage, was Architektur im Tourismus leisten kann, beantwortet der Entwickler des CUBE Hotelkonzeptes mit dem Argument, für das sich Touristiker am leichtesten erwärmen: Bis zu 15 Prozent bessere Auslastungen in VI-Hotels mit einem besonderen Augenmerk auf Architektur sprechen hier für sich.
„Wir leben zwei Zutritte zum Thema, auf der einen Seite, im Bereich von Vienna International, haben wir über die „andel’s“ und „angelo“ Linien einen deutlichen Zugang vor allem zur Innenarchitektur, auf der anderen Seite, in einer extremen Form, haben sich die CUBE Hotels sehr funktionsbezogen entwickelt, was die Architektur stark beeinflusst hat. Generell waren wir die ersten, die mit dem Hotel Martinspark in Dornbirn mit Architektur überhaupt etwas am Hut hatten“,
so der in der Szene hoch angesehene Touristiker. Neben Architektur und Design sei in Tourismusobjekten aber vor allem auch die Funktionalität ein essentieller Punkt. Diese dürfe auf Grund von Architekturaspekten nicht leiden, denn die an ein Hotelzimmer gestellten Anforderungen gilt es durchgehend zu erfüllen, da schlechte Funktionalität nicht nur Auswirkungen auf das Wohlbefinden des Gastes haben, sondern auch die betrieblichen Abläufe, zum Beispiel bei der Reinigung, stören kann.
„Man muss das vorsichtig handhaben und die Betreiber immer mit einbinden. Nur mit einem coolen Wurf geht’s auch nicht.“
Können Architekten mit den tourismusspezifischen Anforderungen umgehen?
„Wir haben bis jetzt nur gute Erfahrungen gemacht. Beim ersten Objekt war es schon zäh, aber mittlerweile sind wir sehr eingespielt. Das Schwierige meiner Meinung nach ist, dass man darauf achten muss, die gleichen Partner zu bekommen, damit man von den handelnden Personen eine gewisse Kontinuität erwarten kann. Wenn man öfter etwas gemeinsam macht, ist ein starker Lerneffekt gegeben, und dieser Prozess des Lernens ist sehr wichtig.“
Was ist das Besondere an den CUBE Hotels, wie kommt das Konzept an?
„Wir waren ursprünglich vom Konzept her sehr auf die jüngere Zielgruppe fokussiert, aber das Erfreuliche ist, dass mittlerweile die Annahme quer durch alle Altersschichten und Zielgruppen verteilt ist. Das Faszinierende ist, und das hat vor allem mit der Funktionalität der Hotels zu tun, dass, egal ob jung oder alt, Familie oder Sportfreaks, alle gleichzeitig im CUBE sein können, ohne sich gegenseitig zu stören. Die gemeinsame Klammer ist einfach das Thema Sport und Bewegung, das, was einen CUBE ausmacht.“
Die Leute fahren dorthin, weil sie eigentlich machen können, was sie wollen. Sie haben die Vielfalt an Freizeit hier in einem Gesamtkonzept, bei anderen Anbietern sind das nur einzelne Features.
„Man kann behaupten, und das lässt sich auch nachweisen, dass ein CUBE dort, wo er steht, Gäste kreiert, die es dort vorher nicht gegeben hat. Wir haben noch keinen einzigen Hotelgast aus einer Destination weggenommen, ganz im Gegenteil, alle, die bei uns sind, sind neu, und wären auch nie dort hin gefahren, wenn es uns nicht gegeben hätte.“
Von einer Plattform wie platoumarket erwartet sich Rudolf Tucek vorrangig Bewusstseinsbildung und Betreuung im Planungsprozess, vor allem für Auftraggeber, die vor der Realisierung ihres ersten touristischen Projektes stehen.
„Die zentrale Frage hier ist, gibt es bereits ein Problembewusstsein? Ein Beratungsangebot hat ja nur dann einen Sinn, wenn der, der beraten wird, das auch als Wert anerkennt. Die Wichtigkeit des Planungsprozesses an sich wird noch immer stark unterschätzt!
Für Touristiker ist die Auswahl an geeigneten Architekten und Generalplanern schwierig und auch für die Planer ist es nicht einfach, einen Kunden zu finden, der den Mut hat, etwas anders zu machen. Das sind die Hürden und Schnittstellen, die es gilt, zu bewältigen, und je mehr Informationen und Erfahrungsplattformen es zu dem Thema gibt, umso leichter wird es, gemeinsam auf einer Ebene zu arbeiten.“
Die qualitative Selektion geeigneter und tourismuserprobter Planer und Unternehmen ist einmal mehr ein großes Thema.
„Da trennt sich die Spreu vom Weizen. Als Kunde in der Tourismusbranche braucht man unter anderem auch Kostensicherheit, weil man es ja finanzieren muss. Referenzobjekte und Empfehlungen für tourismusaffine Architekturbüros wären hier hilfreich, um die Auswahl zu erleichtern und letztendlich am Ende des Tages ein rundes Gesamtkonzept und schöne Ergebnisse erzielen zu können.“
…hier gehts zum Blog der CUBE-Hotels 










Um bei Touristikern ein Bewusstsein für die Welt der Architektur zu schaffen bzw. Verständnis für die Sichtweise von Architekten zu entwickeln, wäre es wichtig diese Thematik in touristischen Bildungswegen (stärker) einzubinden.
Kommentar von Andreas Steuer (Tourismusstudent) — 9. Dezember 2009 @ 15:12